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Was gemessen wird

KI-Chatbot DSGVO-konform betreiben

Welche Daten ein Website-Assistent wirklich verarbeitet, wo sie liegen und was in die Datenschutzerklärung gehört, anhand der Architektur, die ich für Kunden baue.

Veröffentlicht am Aktualisiert am 8 Minuten Lesezeit

Welche Daten verarbeitet ein Website-Chatbot überhaupt?

Drei Arten von Daten, und nur die erste ist unvermeidlich: die Frage des Besuchers, technische Verbindungsdaten und alles, was der Besucher freiwillig in das Eingabefeld schreibt. Die Frage selbst ist der Zweck des Systems. Die Verbindungsdaten fallen an, weil jede Anfrage über einen Server läuft. Der dritte Punkt ist der gefährliche: Menschen tippen in Chatfenster Dinge, die sie in ein Formular nie schreiben würden: Namen, Krankheitsbilder, Vertragsnummern.

Genau daran entscheidet sich, ob ein Assistent datenschutzrechtlich sauber läuft. Ein System, das jede Eingabe unbegrenzt protokolliert, sammelt binnen weniger Monate eine Datensammlung, für die es keine Rechtsgrundlage gibt und die niemand mehr überblickt.

Wo liegen die Daten in meiner Architektur?

Die Wissensbasis liegt bei Cloudflare, die Sprachmodell-Anfrage läuft über einen Auftragsverarbeiter, mit dem ein Vertrag nach Art 28 DSGVO besteht. Beide Anbieter stehen namentlich in der Datenschutzerklärung des Kunden, nicht als „externe Dienstleister” umschrieben. Das ist keine Formalie: Art 13 DSGVO verlangt die Nennung der Empfänger, und eine Sammelbezeichnung erfüllt das nicht.

Die Inhalte des Kunden, also Preislisten, Leistungsbeschreibungen und Merkblätter, sind kein personenbezogenes Datum, sondern Unternehmenswissen. Sie werden einmal aufbereitet und liegen als durchsuchbare Wissensbasis vor. Personenbezug entsteht erst auf der Frageseite, und deshalb liegt dort auch die gesamte Aufmerksamkeit.

Wie lange werden Gespräche gespeichert?

Bei mir 30 Tage, danach werden die Protokolle gelöscht. Der Grund für diese Frist ist ein praktischer: Ich brauche die Gespräche, um zu sehen, welche Fragen der Assistent nicht beantworten konnte, und um daraus die Wissensbasis zu erweitern. Diese Auswertung steht im Business-Paket als Monatsbericht, im Einstiegspaket lässt sie sich auf Anfrage ziehen. Nach vier Wochen hat das einzelne Gespräch seinen Zweck erfüllt.

Was aus einem Gespräch heraus zu einer Kontaktanfrage wird, folgt der Frist des Kontaktformulars: Auf meiner eigenen Seite sind das 24 Monate, und wenn daraus ein Auftrag entsteht, greifen die sieben Jahre Aufbewahrungspflicht nach § 132 BAO. Diese beiden Fristen stehen so in meiner Datenschutzerklärung, weil eine Frist, die nirgends steht, faktisch keine ist.

Was wird von der IP-Adresse gespeichert?

Ein gesalzener SHA-256-Hashwert, nie die Adresse selbst. Der Hashwert dient der Missbrauchsabwehr: Ohne ihn lässt sich nicht erkennen, ob dieselbe Quelle in einer Minute zweihundert Anfragen stellt. Rückrechnen lässt er sich mit dem geheim gehaltenen Salt praktisch nicht.

So läuft es bereits heute im Kontaktformular dieser Website, und derselbe Mechanismus trägt den Assistenten. Der Unterschied zu einem fertig eingekauften Chat-Widget ist an dieser Stelle groß: Bei einem eingebundenen Fremdsystem entscheidet der Anbieter, was mit der IP-Adresse passiert, und Sie erfahren es allenfalls aus dessen Dokumentation.

Nur, wenn er Cookies setzt, die über den ausdrücklich gewünschten Dienst hinausgehen. § 165 Abs 3 TKG 2021 erlaubt den Zugriff auf das Endgerät ohne Einwilligung, wenn die Speicherung für den vom Nutzer ausdrücklich gewünschten Dienst unbedingt erforderlich ist. Ein Sitzungsmerkmal, das den laufenden Chat einer Konversation zuordnet, fällt darunter.

Sobald ein Assistent aber Wiedererkennung über Sitzungen hinweg betreibt, Nutzungsprofile bildet oder Daten an ein Werbenetzwerk weitergibt, ist er einwilligungspflichtig, und zwar mit einem Banner, das nach den Vorgaben der Datenschutzbehörde gebaut ist: gleich große Schaltflächen, Tracking standardmäßig aus, keine vorangekreuzten Kästchen. Viele eingekaufte Widgets bringen genau diese Wiedererkennung mit, ohne dass es im Verkaufsgespräch erwähnt wird.

Was muss in die Datenschutzerklärung?

Fünf Angaben, und keine davon ist optional: der Name des Anbieters mit Anschrift, der Zweck der Verarbeitung, die Rechtsgrundlage, die Speicherdauer und der Hinweis auf eine allfällige Übermittlung in ein Drittland. Kommt das Sprachmodell von einem Anbieter mit Sitz in den USA, gehört dazu die Grundlage der Übermittlung: Standardvertragsklauseln oder Angemessenheitsbeschluss.

Bei meinen Projekten kommt ein sechster Punkt dazu: die ausdrückliche Feststellung, dass die Eingaben nicht zum Training fremder Modelle verwendet werden. Das ist vertraglich mit dem Auftragsverarbeiter geregelt und nicht bloß eine Hoffnung, weil der Kunde diese Frage von seiner eigenen Kundschaft gestellt bekommt.

Wie verhindert man, dass der Assistent Unsinn behauptet?

Indem er ausschließlich aus den hinterlegten Inhalten antwortet und unter jeder Antwort die Quelle nennt. Ein Assistent, der auf das allgemeine Weltwissen des Modells zugreifen darf, erfindet unter Druck plausible Sätze, und im Zweifel sind das Aussagen über Preise, Fristen oder Leistungen, die der Betrieb dann gegen sich gelten lassen muss.

Deshalb ist bei mir die Rückfallantwort Teil des Produkts: Was die Unterlagen nicht abdecken, wird nicht beantwortet, sondern an das Kontaktformular übergeben. Das ist unbequem in der Vorführung und richtig im Betrieb. Wie dieser Ablauf technisch aussieht, beschreibe ich in Wie ein Website-Assistent funktioniert.

Wer haftet, wenn der Chatbot etwas Falsches sagt?

Der Betreiber der Website, nicht der Modellanbieter. Aus Sicht Ihrer Kundschaft ist die Aussage auf Ihrer Seite Ihre Aussage, ob sie ein Mensch oder ein System formuliert hat, ändert daran nichts. Bei Preisangaben kann daraus im ungünstigen Fall ein bindendes Angebot werden, bei Fristzusagen eine Zusicherung.

Praktisch heißt das: Der Assistent bekommt drei Themen gar nicht erst in die Wissensbasis: Rechtsauskünfte, Steuerauskünfte und medizinische Auskünfte. In meinen Angeboten steht das ausdrücklich unter „nicht enthalten”, damit die Grenze vor dem Auftrag geklärt ist und nicht danach.

Was kostet der datenschutzkonforme Betrieb?

Ab 79 € im Monat im Einstiegspaket, ab 149 € im Business-Paket, jeweils inklusive Modellkosten, Hosting der Wissensbasis und Aktualisierung der Inhalte. Der Aufbau liegt bei 2.900 € einmalig; alle Beträge sind umsatzsteuerbefreit als Kleinunternehmer gemäß § 6 Abs 1 Z 27 UStG.

Der Auftragsverarbeitungsvertrag und der Eintrag in die Datenschutzerklärung sind Teil der Lieferung und kosten nicht extra: Sie sind die Voraussetzung dafür, dass das System überhaupt betrieben werden darf. Details, Pakete und Grenzen stehen auf der Seite KI-Assistent für Ihre Website.

Womit fangen Sie an?

Mit der Liste der Fragen, die tatsächlich hereinkommen, nicht mit der Auswahl eines Anbieters. Sammeln Sie zwei Wochen lang mit, was am Telefon und per E-Mail gefragt wird. Fällt dabei auf, dass sich zehn Fragen ständig wiederholen und die Antworten bereits schriftlich existieren, ist ein Assistent das kürzeste Werkzeug. Fällt es nicht auf, sparen Sie sich das Projekt.

Der zweite Schritt ist die Frage nach dem Datenweg: Welcher Anbieter sieht die Eingaben, wie lange bleiben sie liegen, was steht im Vertrag zum Training? Wer darauf keine Antwort bekommt, sollte den Anbieter nicht nehmen: Die Auskunftspflicht endet nicht an der Systemgrenze.

Wo Ihre bestehende Seite bei den Pflichtangaben steht, sagt der Website-Check in unter einer Minute: ob Impressum und Datenschutzerklärung erreichbar sind und ob Ihr Formular auf die Datenschutzerklärung verweist.

Eigene Zahlen in diesem Artikel

  • Eigene Architektur: Gesprächsprotokolle 30 Tage, Kontaktanfragen 24 Monate, bei Auftrag sieben Jahre nach § 132 BAO
  • IP-Adressen werden nur als gesalzener SHA-256-Hashwert gespeichert, nie im Klartext
  • Betriebskosten des Assistenten ab 79 € im Monat, darin enthalten Modellkosten, Hosting der Wissensbasis und Aktualisierung

Quellen

Weiterlesen

Geschrieben von Raphael Bleier

Einzelunternehmer in Klagenfurt am Wörthersee, GISA-Zahl 40048086. Wie ich arbeite